Meditation, Wunderwaffe für Körper und Geist?

Augen schließen, aufrecht hinsetzen und für ein paar Minuten die Außenwelt vergessen. So einfach lässt sich das Wesen der Meditation beschreiben. Doch was ist dran am Mythos der Meditation? Wie wirkt sich regelmäßiges Meditieren auf Ihren Körper aus und hat sie tatsächlich eine so bedeutende Funktion, wie es scheint? All das erfahren Sie in den folgenden Abschnitten.

Herkunft und Meditationslehre

meditationWenn wir einen Blick auf den Ursprung des Wortes “Meditation” werfen, ist die Meditation wahrscheinlich so alt wie der Mensch selbst. Tatsächlich bedeutet das lateinische Wort “meditatum”, von dem sich unser modernes Wort ableitet, nichts anderes als „denken”. Alte Schriften weisen darauf hin, dass die Menschen seit Tausenden von Jahren meditieren, und archäologische Funde legen nahe, dass wir bereits selbst als Jäger und Sammler die Meditation für uns entdeckt haben. Wenn man heute jemanden nach der Meditation fragt, wird fast jeder eine andere Antwort darauf finden, was Meditation für ihn oder sie bedeutet. Das liegt daran, dass sich im Laufe der Jahre zahlreiche Praktiken entwickelt haben, die alle unter den Begriff der Meditation fallen. Alleine im Buddhismus gibt es unzählige Techniken, seinen Geist zu stärken. Hier einmal die wichtigsten Meditationslehren im Überblick:

Achtsamkeit

Wann immer Sie tiefer in die Meditation einsteigen, werden Sie unweigerlich auf das Thema Achtsamkeit stoßen. Damit ist die gezielte und konzentrierte Konzentration auf die eigenen Gedanken und Gefühle gemeint, die im Hier und Jetzt auftreten, ohne sie zu beurteilen. Achtsamkeit kommt aus der buddhistischen Vipassana-Meditation. Dort bedeutet Achtsamkeit die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist. Das ist gar nicht so einfach, da wir Menschen unsere Umwelt durch den Filter unserer bisherigen Erfahrungen betrachten.

Zen-Meditation

Die Zen-Meditation oder auch Zazen-Meditation bedeutet wörtlich übersetzt “Sitzmeditation”. Ihr Ziel ist es, wertende Gedanken zu unterbinden und alle Bilder oder Ideen, die während einer Meditation in Ihrem Kopf entstehen, vorbeiziehen zu lassen. Sie beschäftigen sich nicht mit ihnen und sitzen sie aus, bis sie aufhören, in Ihren Geist einzudringen.

Mantra-Meditation

Bei der Mantrameditation dreht sich alles um die Wiederholung eines Tons oder eines Satzes, der gemeinhin als Mantra bezeichnet wird. Während der Mantra-Meditation sollen die Gedanken frei fließen – das heißt, dass Sie sie weder unterdrücken, noch versuchen in eine andere Richtung zu lenken. Stattdessen konzentrieren Sie sich voll und ganz auf Ihr Mantra und erlauben Ihrem Verstand zu entspannen.

Christliche Meditation

In christlichen Meditieren geht man während des Gebets in sich und versucht, sich der Worte Gottes bewusst zu werden und sie zu reflektieren. Ihre Meditation ist also eng mit Ihrem Glauben verbunden. Gerade religiöse Menschen mit einem stressigen Alltag können von dieser Meditationsform profitieren, indem sie Religion und das regelmäßige Meditieren miteinander verbinden.

Metta-Meditation

Wörtlich übersetzt bedeutet diese Form der Meditation so etwas wie “Liebenswürdigkeit”. Sie ist eine der ältesten Formen der buddhistischen Meditation und hat das Ziel, ein Gefühl des Wohlwollens gegenüber allen Lebewesen zu kultivieren. Sie beginnen bei sich selbst und erweitern dann allmählich Ihren Kreis der Lebewesen nach außen, bis Sie selbst der kleinsten Ameise gegenüber freundlich gesinnt sind.

Yoga

Meditation bedeutet in der Regel, dass man sich hinsetzt und entspannt. Diese alte Meditationsform aus Indien zeigt jedoch, dass es auch anders geht. In den letzten Jahrzehnten hat sich Yoga in den westlichen Ländern als das Sportprogramm für mehr Beweglichkeit schlechthin etabliert. Nur wenige Menschen wissen: Es befreit auch den Geist und wird deshalb als Meditation gewertet.

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Meditation: Eine Definition

Um die Verwirrung darüber, was Meditation ist, ein für alle Mal zu klären, wollen wir uns in diesem Abschnitt etwas genauer mit ihr beschäftigen. Also: Was genau ist die Meditation?

Im Kern ist die Meditation ein Mittel, um sich selbst zu ergründen. Sie ist kein Teil irgendeiner Religion, auch wenn sie in vielen Religionen eine große Rolle spielt. Meditation ist eine eigenständige Disziplin, die einer bestimmten Ordnung folgt, bestimmte Prinzipien hat und nachprüfbare Ergebnisse hervorbringt – vorausgesetzt, sie wird korrekt ausgeführt. Wenn Sie meditieren, konzentrieren Sie Ihre Aufmerksamkeit ganz auf Ihr Innenleben und vergessen für einen Moment die Welt um Sie herum. Das Ziel des Meditierens ist völlige Ruhe und tiefe Entspannung. Wie Sie dieses Ziel am schnellsten erreichen können, ist eine sehr individuelle Frage, die Sie nur durch die Entdeckung zahlreicher Techniken, die das Meditieren im Laufe der Jahrhunderte hervorgebracht hat, beantworten können.

Gesundheitliche Vorteile

Was bewirkt Meditation? Hier finden Sie einen kurzen Überblick über die wichtigsten Wirkungen.

Reduziert Stress: Einer der häufigsten Gründe, warum Menschen mit dem Meditieren anfangen ist, dass sie ihren Alltagsstress bewältigen wollen. Und tatsächlich kann Meditation Personen mit dauerhaft hohem Stresspegel helfen und stressbedingte Symptome wie Schlafstörungen oder Verdauungsprobleme lindern.

Bekämpft Depressionen: Unser Körper reagiert auf Stress, indem er entzündliche Chemikalien wie Zytokine freisetzt. Diese Chemikalien beeinflussen unsere Stimmung und können auf lange Sicht zu Depressionen führen. Mehrere Studien deuten darauf hin, dass regelmäßig angewendet die Menge an entzündlichen Chemikalien im Körper reduziert und somit Depressionen vorbeugt. Außerdem waren Personen, die meditierten, eher in der Lage, positiv zu denken und optimistisch in die Zukunft zu blicken als Personen, die ohne Meditation durchs Leben gingen.

Verbessert Ihr Selbstbewusstsein: Einige Meditationsformen helfen Ihnen, ein besseres Verständnis von sich selbst und Ihren Mitmenschen zu entwickeln. So konnte bei einer Studie festgestellt werden, dass sich Tai-Chi positiv auf das Selbstwertgefühl von Menschen auswirkt.

Kann den Blutdruck senken: Eine Studie ergab, dass Meditation Ihren Blutdruck im Schnitt um fünf Punkte senken kann. Bei erfolgreicher Meditation lösen Sie die Spannung in Ihren Blutgefäßen und holen Ihren Körper aus einem Zustand der ständigen Anspannung.

Verlängert die Aufmerksamkeitsspanne: Meditieren hilft, die Ausdauer Ihrer Aufmerksamkeit zu erhöhen. Einige Studien kommen sogar zum Schluss, dass Meditation Muster im Gehirn umkehren kann, die zu negativen Gedanken beitragen.

Verbessert den Schlaf: Fast alle von uns haben irgendwann in ihrem Leben mit Schlaflosigkeit zu kämpfen gehabt. Diejenigen, die regelmäßig meditieren, schlafen früher ein und schlafen eher durch. Kein Wunder: Mit der Meditation können Sie Gedanken zähmen, die Sie sonst am Schlafen hindern.

Sind die Wirkungen wissenschaftlich erwiesen?

Kurz gesagt: Ja. Alle im letzten Abschnitt genannten positiven Auswirkungen auf unsere Gesundheit konnten durch zahlreiche Tests und Langzeitstudien nachgewiesen werden.

Wie lässt sich Meditation mit Alltag und Beruf verbinden?

Entgegen allen Bedenken, die diese Frage in Ihnen aufwirft, ist das Büro der ideale Ort zum Meditieren. Ihre Arbeit ist nicht nur eine der Hauptursachen für Ihren Stress, sie leidet auch darunter, was wiederum zu erhöhtem Stress führt. Ein Teufelskreis, der schwer zu durchbrechen ist. Wenn Sie jedoch bei der Arbeit zu meditieren beginnen, wirkt sich das nicht nur positiv auf Ihre Psyche aus, sondern Sie haben auch die Möglichkeit, das allgemeine Arbeitsklima zu verbessern, indem Sie Ihre Kollegen mit ins Boot holen.

“Aber dazu habe ich nicht die Zeit”, werden Sie jetzt wahrscheinlich sagen, aber diesen Zahn muss ich an dieser Stelle ziehen: Ein paar Minuten am Tag reichen aus. Wichtig ist, dass Sie das regelmäßig tun.

Suchen Sie sich einen Raum

Dieser Punkt ist wahrscheinlich die größte Herausforderung am Arbeitsplatz. Wenn überall Kollegen sitzen, miteinander reden, telefonieren oder andere Geräusche machen, ist es fast unmöglich, sich zu konzentrieren. Deshalb sollten Sie als ersten Schritt den Mut haben, mit Ihrem Vorgesetzten zu sprechen. Vielleicht gibt es einen leeren Besprechungsraum, den Sie einmal am Tag nutzen können. Wenn Sie ihm gute Argumente geben, warum Meditation wichtig ist, leistet er Ihnen vielleicht sogar Gesellschaft.

Meditation als Anfänger lernen

Grundsätzlich lässt sie sich in drei Hauptkomponenten unterteilen: Sitzen, Atmen, Meditieren. Um Ihnen einen raschen Einstieg in die Meditation zu ermöglichen, finden Sie hier eine kurze Anleitung für jede der drei Komponenten:

Sitzen

  • Finden Sie einen ruhigen Ort, an dem Sie nicht unterbrochen werden.
  • Setzen Sie sich auf den Boden oder einen Stuhl, die Hände liegen auf dem Schoß, die Handflächen zeigen nach oben
  • Halten Sie Rücken und Nacken gerade.
  • Ihr Kinn neigen Sie nun leicht nach unten, um Ihren Brustkorb zu öffnen und Ihre Atmung zu erleichtern.
  • Bei potenziellen Ablenkungen im Sichtfeld schließen Sie nun die Augen.

Atmen

  • Atmen Sie ganz langsam ein und wieder aus
  • Konzentrieren Sie sich vollständig auf Ihre Atmung, bis sich Ihr Puls spürbar beruhigt
  • Lassen Sie aufkommende Gedanken zu, kehren Sie gedanklich aber immer wieder zu Ihrer Atmung zurück
  • Wenn Ihre Gedanken immer wieder abschweifen, zählen Sie Ihre Atemzüge

Meditieren

  • lernen Sie, Ihre Gedanken zu akzeptieren, ohne sie zu bewerten
  • lassen Sie sich von körperlichen Empfindungen wie Jucken oder Kribbeln nicht aus der Ruhe bringen
  • führen Sie Ihre Gedanken immer wieder zu Ihrem Atem zurück
  • planen Sie die Meditation fest in Ihren Tagesablauf ein und nehmen Sie sich jeweils ein paar Minuten Zeit

Sie brauchen mehr Informationen, wie Sie Meditation erlernen können? In unserer Anleitung für Anfänger finden Sie alles, was Sie für Ihre erste Meditations-Sitzung wissen müssen.

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Fazit: Mythos Meditation?

Wie Sie gelernt haben, sind die zahlreichen positiven Auswirkungen der Meditation keine Hirngespinste spiritueller Fanatiker, sondern wissenschaftlich erwiesen. Das Wissen um die Meditation wurde über Jahrhunderte weitergegeben und eröffnet Ihnen völlig neue Möglichkeiten, sich zu entspannen und sie werden lernen, sich selbst und die Welt mit anderen Augen zu sehen. Machen Sie jedoch nicht den Fehler, zu Beginn der Meditation zu viel von ihr zu erwarten. Wenn Sie heute damit beginnen, starten Sie einen individuellen Prozess, dessen Auswirkungen sich erst nach einigen Wochen oder vielleicht sogar Monaten zeigen werden. Eine angenehme Leichtigkeit nach dem Meditieren werden Sie jedoch bereits unmittelbar nach der ersten Sitzung verspüren.

FAQ

Wie lange sollte ich meditieren?

Stellen Sie sich vor Beginn Ihrer Meditation einen Timer. Anfänger sollten mit wenigen Minuten beginnen und sich allmählich steigern. Experimentieren Sie ein wenig, bis Sie eine Dauer gefunden haben, mit der Sie sich wohlfühlen. Nach oben hin sind jedenfalls keine Grenzen gesetzt.

Was kann ich tun, wenn ich müde werde?

Wenn Ihr ganzer Körper entspannt ist, fühlen Sie sich vielleicht müde und schlafen sogar während der Meditation ein. Dies kann ein Zeichen dafür sein, dass Ihr Körper unter ständigem Stress steht und Ihr Gehirn Ruhe mit Schlaf assoziiert. Um Schläfrigkeit während des Meditieren zu vermeiden, sollten Sie aufrecht sitzen und Ihrer Atmung ungeteilte Aufmerksamkeit schenken. Falls nötig, schalten Sie das Licht ein oder meditieren Sie zu einer anderen Tageszeit. Vielleicht können Sie Ihre Müdigkeit auch zu Ihrem Vorteil nutzen, indem Sie unmittelbar vor dem Schlafengehen meditieren.

Sollte ich in Gruppen meditieren?

Wenn Sie an Meditation denken, stellen Sie sich vielleicht eine einzelne Person vor, die in völliger Einsamkeit auf einem Kissen sitzt. Das muss nicht sein! Im Gegenteil, Meditation in Gruppen bietet zwei Vorteile: Erstens weckt die Zugehörigkeit zu einer Meditationsgruppe eine Art Pflichtgefühl, sich regelmäßig zu treffen, und zweitens können Sie sich gegenseitig unterstützen und Erfahrungen austauschen.